Medizinstudium in Deutschland

Medizinstudium in Deutschland

Meine Erfahrungen über das Medizinstudium in Deutschland und damit die Ausbildung als Arzt entstehen aus meiner eigenen Autobiografie. 2008 habe ich das Medizinstudium in Heidelberg-Mannheim begonnen und 2014, kurz vor Weihnachten, abgeschlossen – und nicht aus externen Quellen zusammengetragen. Einen Studienplatz für das Medizinstudium in Deutschland zu bekommen, ist nicht einfach. Die Studienplätze sind begehrt, und jedes Jahr bewerben sich sehr viel mehr potenzielle Studenten, als Studienplätze vorhanden sind. Die Auswahl der Aspiranten erfolgt dabei vor allem über die Schulnote. Was ich ein bisschen komisch finde, ist, dass es keinerlei Rolle spielt, welche Inhalte als Schwerpunkt gewählt wurden. Die meisten Studienanfänger im Medizinstudium, die ich kennengelernt habe, hatten mit den Naturwissenschaften schon sehr frühzeitig abgeschlossen. Die meisten beschränkten sich auf ein Minimum an Biologieunterricht in der Oberstufe. Solide Kenntnisse in Chemie, Physik und Mathematik sind, ehrlich gesagt, unter den Studienanfängern nicht sehr verbreitet. Während der durchschnittliche Medizinstudent, der direkt nach der Schule das Studium beginnt, circa 18 Jahre alt ist, war ich in meinen Anfängen bereits 24. Ich hatte ein Studium der Ingenieurswissenschaften abgebrochen und war damit eher einer der Älteren. Während ich Chemie als Schwerpunkt in meinen letzten Schuljahren hatte, war das diesbezügliche Know-how meiner Studienkollegen sehr begrenzt. Die ersten Wochen des Medizinstudiums, im Sinne einer naturwissenschaftlichen Einführungsphase, begannen wir damit, den Stoff der 11. Klasse (funktionelle Gruppen, Hydroxylgruppen, Reaktionsgleichungen) zu wiederholen. Der Großteil meiner Kollegen, die angeblich die Schule mit Bestnoten abgeschlossen hatten, hörte die Inhalte offensichtlich zum ersten Mal. In den Physikseminaren zeigte sich, dass viele der jungen Leute dort Probleme mit der Mathematik der 8. Klasse hatten, insbesondere mit mittelkomplexen Dreisatzrechnungen. Die ersten zwei Jahre des Medizinstudiums bestehen aus der sogenannten Vorklinik. Hier sollen wissenschaftliche Grundlagen gelegt werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem „Vierkampf“ aus Physiologie, Biochemie und Anatomie. Grundlagenfächer wie Pathologie und Pharmakologie, die im angloamerikanischen Raum Teil der Vorklinik sind, sind ebenfalls ausgeklammert. Die vorklinische Ausbildung schließt nach zwei Jahren mit dem Staatsexamen, dem sogenannten Physikum, ab, das sich aus einer Multiple-Choice-Prüfung und einer mündlichen Prüfung zusammensetzt. Bis dahin hat der Student sehr wenig gelernt, das sich in der klinischen Praxis anwenden ließe.